Samstag, 22.11.03, 20:15 h, Filmclub 813 / Kino in der Brücke
Kawase Naomi konnte sich in den letzten Jahren mit ihren regional,
durch die Kultur von Nara (Japans ehemaliger Hauptstadt) geprägten
Werken zum Shooting Star des internationalen Kunstkinos entwickeln.
Die ultimative Anerkennung für ihr Schaffen erhielt sie dieses
Jahr mit "Shara", der im Wettbewerb des Filmfestivals
von Cannes präsentiert wurde. Eines Tages im Hochsommer, während
des Jizo- Volksfestes, verschwindet der zwölfjährige Kei
spurlos. Für seinen Zwillingsbruder Shun und seine Eltern endet
das alte Leben, gefriert die Zeit. Alles scheint stillzustehen.
Als Shun fünf Jahre später ein Portrait seines Zwillingsbruders
zeichnet, erwachen die Geister der Vergangenheit und die Familie
Aso wird zurück ins Leben geworfen. Obwohl Kawase auf der erzählerischen
Ebene mit Auslassungen und großen Lücken arbeitet, schafft
sie es uns mit großartigen Bildern die Gefühle der Betroffenen
auf einer fast rein visuellen Ebene mitzuteilen. Subjektive Eindrücke,
Zeitlosigkeit, das Einfrieren und Wiedererwachen von Gefühlen,
Themen die sich oft sprachlichen Möglichkeiten entziehen, sind
das Grundgerüst aus dem Kawase mit großer Kunstfertigkeit
überwältigende Filme schafft.